Gedanken über „die wichtigste Nebensache der Welt“

Man kann sich in diesen Tagen dem Sog der Fußballweltmeisterschaft in Russland kaum entziehen. Ich möchte deshalb einige Gedanken, aus der Sicht des christlichen Glaubens über den Sport in dieser Ausgabe der „Kirchlichen Mittteilungen“ zu Papier bringen.

1. Es gehört wesentlich zum Menschen, einen Leib zu haben. Gott hat uns als leibhafte Wesen erschaffen. Leib und Seele sind innig miteinander verbunden. Der Leib ist die vom Geist gestaltete Form des Menschen, die Form, in der wir in dieser Welt existieren. Der ganze Mensch mit Leib und Seele ist Gottes Ebenbild.

2. Wir müssen im Wissen um die Würde des Leibes darum besorgt sein, den Leib gesund, stark und gewandt zu erhalten. Im Buch Jesus Sirach des Alten Testaments wird dieser Wert so umschrieben: „Besser arm, aber gesunde Glieder, als reich, aber einen kranken Leib. Ein Leib in Gesundheit liebe ich mehr als Gold und einen gesunden Leib mehr als alles Glück.“ (Sir 30,14-15) Für dieses Ziel treiben wir auch Sport.

3. Nach christlichem Verständnis gehören zum Menschen auch die gelöste Freiheit, das Fest und die Feier sowie das Spiel und der Sport. Das uns geläufige Wort Sport ist treffend und aussagekräftig. In der deutschen Sprache kommt es zum ersten Mal 1823 vor. Wir haben es aus dem Englischen übernommen. Seine Wurzel liegt im lateinischen Wort „desportare“, was „sich entspannen“ bedeutet. Sport ist Spiel. Um das menschliche Gleichgewicht zu erhalten, bedarf es des Spiels.

4. Beim Sport erleben wir Gemeinschaft und Kameradschaft. Der Sportler soll ein liebenswürdiger Gewinner und ein beherrschter Verlierer sein. Er siegt, ohne seine Gegner zu demütigen. Bei Misserfolg soll er den Gleichmut bewahren. So verbindet der Sport die Menschen und dient dem Frieden.

5. Der Heilige Paulus sieht im Sport ein Sinnbild für höhere Wirklichkeiten. In der Nähe der griechischen Stadt Korinth fanden alle 2 Jahre die berühmten Isthmischen Wettspiele statt. Der Apostel Paulus greift diese Spiele in seinem ersten Brief an die Christen von Korinth auf und schreibt dazu: „Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber nur einer den Siegespreis gewinnt? …. jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen.“ (1Kor 9,24-25) Der Christ nimmt Maß an der Person, am Wirken und an der Botschaft Christi. In diesem Sinne soll er Christus nachfolgen und dafür alle Kräfte einsetzen.

Hermann Knoblauch
Pfarrer

2018-06-25T06:48:55+00:00