Die Religionskritik von Karl Marx

Am 5. Mai 1818 wurde Karl Marx in Trier geboren.
Karl Marx hat mit seinen Schriften den Verlauf der Geschichte stark beeinflusst.
In den Medien wird in diesen Tagen anlässlich seines Geburtstages vor 200 Jahren auf Leben und Werk von Karl Marx eingegangen.
Auch ich möchte dies in dieser Ausgabe der Kirchlichen Mitteilungen tun.

Auf seine gesellschaftlichen Thesen hat unsere Kirche mit der Katholischen Soziallehre geantwortet, vor allem durch die Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ (1891).

Mit diesem Beitrag möchte ich auf die Religionskritik von Karl Marx eingehen. Karl Marx veränderte und verschärfte die Religionskritik von Ludwig Feuerbach (1806-1872). Marx ist der Überzeugung, dass die Wirklichkeit des Menschen durch wirtschaftliche und soziale Faktoren geprägt ist. Das gesellschaftliche Sein, so glaubt er, bestimme das Bewusstsein des Menschen. In seinen 11 Thesen über Feuerbach schreibt er am Schluss: „ Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ Für Marx ist die Religion ein „ideologischer Überbau“. Religion wächst nach Marx auf dem Boden des Elends und der Ausbeutung und ist zugleich der Protest gegen sie. Dieser Protest gleiche dem chinesischen Kuli (Tagelöhner), der nach der Opiumpfeife greift, um sich zu betäuben, um sein Los zu vergessen. Religion sei das „Opium des Volkes“. – „Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei.“

In wenigen Sätzen möchte ich auf diese Thesen eingehen:

1. Für die Lehre, dass es letztlich nur Materielles, nicht selbstständig Geistiges gibt, dass alles Wirkliche messbar und materiell fassbar sei, liefert Marx keinen Beweis. „Sich ein Bild machen, bestimmte Vorstellungen haben, ist keineswegs dasselbe wie „schaffen“, hervorbringen, Realität setzen.“ (Heinrich Fries) Dieser Unterschied gilt auch für die Wirklichkeit Gottes und das Bild, das man sich von Gott macht.
2. Keine menschliche Vorstellung kann Gott ganz fassen.
3. Der Gott, an den die Christen glauben, ist von Jesus Christus geprägt. „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“.(Joh 14,9) In Jesus Christus hat sich Gott jedoch anders geoffenbart als es sich Menschen üblicherweise so vorstellen. Er ist „ein Gott, der das Unscheinbare erwählt, der sich in Armut, in der Ausgestoßenheit, in der Erniedrigung, in der Entäußerung, im Kreuz, im Tod am Kreuz offenbart.“ (Heinrich Fries in “Abschied von Gott?“)
4. Es ist sicher wahr, dass nicht selten die Religion und ihre Inhalte in den Dienst menschlicher Interessen und egoistischer Zwecke gestellt worden sind. Man hat die Religion oft auch dazu benutzt, um das Bestehende als gottgewollt zu rechtfertigen.

Mit den zahlreichen Sozialenzykliken hat unsere Kirche versucht Antworten auf die soziale Herausforderungen zu geben.

Pfarrer Hermann Knoblauch

2018-05-03T14:37:06+00:00