„Auf Dein Wort hin……,“ (Lk 5,5)

Eine neue Situation entstand vor ein paar Jahren in unserm Land.
Mitarbeiter sind überall einzustellen
als Lehrlinge , Meister oder Gesellen.
In Kita, Schule, Handwerk und Büro,
in fast jedem Beruf ist es so.
Mag dies gelten für den Status quo,
bei der Kirche war dies schon immer so.
Kennt ihr nicht das Bild von der Ernte,
die Sorge, wie man sie in Scheunen berge,
die Bitte an den Vater-Gott,
dass er helfe in dieser Not?
Ob Kloster, Hochschule oder Pfarrhaus,
viele stehen vor dem endgültigen Aus.
Glaube, Kirche und Gott sind Themen,
für die man nicht mehr das Leben will geben.
Hier sei erlaubt die Frage:
Wie kam es zu dieser Lage?
Ist es der Zeitgeist, der „Geist des Konzils“?
Wer betet um Priester,
wann und wie viel?
Wer nimmt schon ernst seine Verpflichtung,
die gründet in Taufe und Firmung?
Warum erkennen so viele den Stern nicht mehr,
den einst gesehen die Magier?
Joseph Ratzinger, damals noch junger Soldat,
wurde einst nach seinem Berufswunsch gefragt.
Er fühle sich hingezogen zum Priesterberufe,
Pfarrer wolle er sein, dazu fühle er sich gerufen.
Die Reaktion des Vorgesetzten
mochte ihn wohl ziemlich entsetzen.
Kein Bedarf gebe es dann noch für Theologie,
sie werde ersetzt durch die Nazi- Ideologie.
Wie sich die Zeiten so gleichen,
nur mit anderen Vorzeichen.
Der Zeitgeist ist eine Zeitlang in Blüte,
nach Jahrzehnten er meist schon verglühte.

Nun hörte ich selbst schon sagen, dies sei auch der Kirche Los,
bedenkt man die Zahlen in Europa bloß.
„Ein geköpftes Huhn fliegt noch übers Scheunendach,
bevor es sich ausgeflattert hat.“
Die Kirchengemeinden schmelzen dahin,
der Glanz von früher flog irgendwo hin.
Fürs erste hat man schon eine Lösung parat,
wenn gefragt wird nach einem guten Rat.
Wenn Pfarrer und Gläubige ausbleiben,
bilde man einfach die Großgemeinden.
Seit zwanzig Jahren geht man den Weg größerer Einheiten,
schrittweise jedoch die Gemeinden immer mehr verwaisen.
Der Verlust von Heimat wird schmerzlich vermisst,
am weitesten das Bistum Trier wohl ist.
Hat es früher noch 887 Gemeinden gegeben,
ab 2022 wird es nur noch 35 Pfarreien geben.
Dies ist der Beschluss der Diözesansynod´,
demokratisch ist also dieses Gebot.
Schule weg, Rathaus weg, nun auch noch die Parochie,
in der Geschichte gab es so etwas noch nie.
Selbst Politiker sind alarmiert,
vor kurzem kam es zur Demo in Trier.
Ähnliche Pläne haben wohl auch die Andern,
sie zu zeigen, sie noch etwas zaudern.
Man spielt nur noch auf Zeit,
keine Lösung weit und breit.
Was soll man auch machen in dieser Situation?
In anderen Kontinenten kennt man das schon.
Die Vitalität macht jedoch den Unterschied aus.
Wächst in Afrika die Kirche, so gehen in Europa vielerorts die Lichter aus.
Es ist wie beim Zahnarzt, wenn er die Wurzel behandelt.
Zunächst ist alles wie verwandelt.
Der Zahn bleibt erhalten, er tut nicht mehr weh,
alles scheint gut und wieder okay.
Doch es ist nur eine Frage der Zeit,
bis es ist schließlich soweit,
dass der Zahn verfällt und muss´ raus,
da lange schon tot und das Leben heraus.
Als Michelangelo, bekannt für seine Genialität,
gesegnet mit immenser Kreativität,
eine Skulptur nicht zu gelingen schien,
rief er: Da ist kein Leben drin.
Leben, so die Forscher, ist Selbstorganisation,
ein Sprung in der Evolution,
nicht machbar, ein reines Geschenk,
du Krone der Schöpfung, dies stets bedenk.

Nun lehrt uns Johannes, der Evangelist,
dass Gott und Leben weithin identisch ist.
Kommt es bei der Kirche auf das Leben an,
dann muss Gott stehen ganz oben an.
Schon lange ist es Zeit, mehr an Gott zu denken,
will man die Dinge in die richtigen Bahnen lenken.
Es ist nicht wahr, dass Gott schweigt.
Vielmehr soll man sehen die Zeichen der Zeit.
Umkehr – eine Thema für Feiertagsreden,
bei den meisten hat sie keinen Sitz im Leben.
In der Regel sind die Beichtstühle leer,
die Bußfeiern ziehen auch nicht mehr.
Doch über das Gute führt der Weg zu Glück,
was bloß hält einen davon so oft zurück?
Wenn nun innere Leere sich breit macht,
dann seien die Worte wieder bedacht:
„Wer mir nachfolgt, wandelt nicht in Finsternis“,
„bei Christus sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis“.
Man kann nicht nur vom Alltäglichen leben.
Man muss sich zu Gott wieder erheben.
Man muss sehnsuchtsvoll zum unendlichen Meer hinausschauen,
bevor man kann große Schiffe bauen.
„ Der Mönch und das Meer“, gemalt von Caspar David Friedrich,
dies` Bild hält mich an und fesselt mich.

„ Fahr hinaus auf die See“, befahl Jesus nach erfolgloser Nacht.
Als Petrus vertraute, war das Wunder vollbracht.
„Ohne mich könnt ihr nichts tun“,
zuerst die Bitte, dann das begeisterte Tun.
„ Auf dein Wort hin“ wollen auch wir stets sagen
und deshalb niemals verzagen.
„Bete, als hinge alles von Gott ab.
Handle, als hinge alles von dir ab“.
Dies ist ein Wort von Augustinus, diesem Genie,
vergiss es auch in diesen Tagen nie.

Hermann Knoblauch
Pfarrer

2019-02-27T09:03:40+00:00