Nach der Renovierung des Innenraums unserer Pfarrkirche St. Peter und Paul richtet sich der Blick nun auf ein weiteres bedeutendes Projekt: den Kirchturm. Seine Geschichte reicht weit zurück – und ebenso umfangreich gestalteten sich die nun abgeschlossenen Sanierungsarbeiten.

Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts wurde an der Stelle des Turms eine romanische Kirche errichtet. Von diesem ursprünglichen Bau sind bis heute Teile im unteren Bereich des Turmes erhalten geblieben. Im Jahr 1899 erfolgte nach dem Abriss der romanischen Kirche die Grundsteinlegung für den heutigen Kirchenbau nach den Plänen der Stuttgarter Architekten Beisbarth & Früh. Aus Platzgründen wurde die Längsachse der Kirche nach Südosten gedreht. Der Turm wurde dabei um ein weiteres Stockwerk erhöht und erhielt – entgegen den ursprünglichen Planungen – seine heutige markante Spitzhaube.

Für die aktuellen Renovierungsarbeiten musste der Turm vollständig eingerüstet werden. Dabei waren besondere Vorgaben des Artenschutzes zu beachten: Da Turmfalken und Dohlen im Bereich der Schallläden brüten, dürfen in der Zeit vom 1. März bis 10. August keine Arbeiten in diesem Bereich durchgeführt werden. Die Nistplätze mussten frei anfliegbar bleiben und alle Nistkästen vollständig erhalten werden.

Der rund 28 Meter hohe Turmschaft aus massivem Mauerwerk steht auf einem Sockel aus dem 13. Jahrhundert und trägt eine etwa zwölf Meter hohe Dachkonstruktion aus Nadelholz. Erst im Laufe der Arbeiten wurde das tatsächliche Ausmaß der Schäden am Dachstuhl sichtbar. Während bei der letzten Renovierung im Jahr 1980 lediglich die Dachhaut erneuert worden war, hatten langanhaltende Feuchtigkeit sowie Pilz- und Insektenbefall die Tragkonstruktion erheblich geschädigt. Die Standsicherheit war dadurch deutlich beeinträchtigt, sodass umfangreiche Zimmererarbeiten notwendig wurden.

Im Zuge der Dachsanierung wurden unter anderem die Firstgrate neu eingebunden und dauerhaft befestigt. Auch das Turmkreuz wurde überarbeitet; die Blätter der Rosette erhielten eine neue Vergoldung und setzen nun wieder einen sichtbaren Akzent.

An den Außenwänden zeigte sich ein gemischtes Bild: Während der verputzte Bruchsteinbereich bis zum ersten Gesims weitgehend intakt war, mussten nur beschädigte Stellen ausgebessert und die gesamte Fassade neu gestrichen werden. Zum Einsatz kam dabei eine klassische Farbgebung gemischt aus den Naturfarben Weiß, Oxidrot, Ocker und Schwarz.

Größere Schäden traten hingegen im Bereich der Glockenstube zutage. Besonders die Natursteineinfassungen der Fenster waren durch Feuchtigkeit stark angegriffen und teilweise beschädigt. Diese Bereiche wurden sorgfältig instandgesetzt oder erneuert. Eine besondere Herausforderung stellte eine stark beschädigte Säule auf der Nordwestseite dar, die bereits seit Jahren provisorisch gesichert war. Im Zuge der Sanierung wurden schließlich alle vier tragenden Säulen mit großem handwerklichem Aufwand von einem Steinmetz neu gefertigt und ersetzt.

Auch die Turmuhr wurde überarbeitet: Die Ziffernblätter wurden neu aufgebaut und die Steuerung auf eine moderne Funktechnik umgestellt.

Die Schallläden des Turmes wurden vollständig erneuert. Sie bestehen nun aus Eichenholz und sind in einem klassischen Grünton gestrichen. Insgesamt wurden dafür mehrere Kubikmeter Holz verarbeitet.

Ein zentrales Element der Turmsanierung war zudem die Erneuerung des Glockenstuhls. Die bisherige Stahlkonstruktion aus dem Jahr 1949 war den  Anforderungen nicht gewachsen. Sie wies konstruktive Schwächen auf und leitete die Schwingungen des Geläuts nahezu ungedämpft in das Mauerwerk weiter, was langfristig zu Schäden führte. Daher musste schon im Jahr 2022 ein Teil des Läutebetriebs eingestellt werden.

Als nachhaltige Lösung wurde ein neuer Glockenstuhl aus Eichenholz errichtet, der moderne statische Anforderungen erfüllt und Schwingungen besser abfängt. Durch eine angepasste Anordnung der Glocken können zudem unerwünschte Resonanzen reduziert werden. Künftig wird es somit wieder möglich sein, alle fünf Glocken gemeinsam erklingen zu lassen. Dies ist insbesondere auch mit Blick auf die historische Vergangenheit der Glocken eine erfreuliche Entwicklung.

Nachdem die bisherigen Glocken im Zweiten Weltkrieg abgenommen wurden um, erfolgte die Weihe der neuen Glocken als sichtbares Zeichen der Hoffnung im Jahr 1949. Sie wurden von der Gemeinde als Ausdruck des Neuanfangs und der Zuversicht gefeiert.

Die kleinste der ursprünglichen Glocken aus dem Jahr 1920 und vier der „neuen“ Glocken aus dem Jahr 1949 bilden das heutige Glockenquintett.

Mit der Sanierung des Turmes wurde ein weiteres bedeutendes Kapitel der Kirchenrenovierung erfolgreich vorangebracht. Als letzter Schritt erfolgt nun noch die Orgelrenovierung, welche voraussichtlich im Spätsommer 2026 zum Abschluss gebracht wird.

Die umfangreichen Renovierungsarbeiten an unserer Pfarrkirche sind ein Gemeinschaftswerk, das bereits von vielen großzügig unterstützt wurde. Dennoch ist ein Teil der Kosten noch nicht gedeckt. Wir bitten Sie daher weiterhin herzlich um Ihre Unterstützung. Für jede Hilfe danken wir mit einem herzlichen Vergelt’s Gott!

Text/Foto: Martin Kurz