Am 09.02.1926 wurde die Oberkochener Kolpingsfamilie offiziell in damals noch „Katholischen Gesellenverein“ aufgenommen. Bereits 1925 formierte sich eine Gruppe junger Männer in Oberkochen, die im Altern von 14 – 25 Jahren als Lehrlinge und Gesellen in Handwerksberufen tätig waren. Sie waren Mitglieder in Jugend- und Burschenorganisationen, hatten jedoch den Wunsch sich im Katholischen Gesellenverein, nach dem Vorbild Adolph Kolpings zu organisieren. Diesem Ansinnen wurde statt gegeben und eine neue Gemeinschaft wurde ins Leben gerufen. Letztendlich fanden sich 25 junge Männer bereit, sich aktiv einzubringen. Namhafte Fabrikanten, Handwerksmeister – selbst der damalige Bürgermeister Frank übernahmen den Schutzvorstand.
Neben den Grundpfeilern von Religion und Tugend pflegten die Mitglieder auch intensiven Austausch und Sportbetrieb. Die Gemeinschaft wuchs in der Mitgliederzahl, wie auch in der Zusammengehörigkeit. Durch die politischen Umstände wurde die Vereinstätigkeit 1934 verboten und das umfangreiche Inventar und Vermögen enteignet. Der 2. Weltkrieg kostete 20 Mitglieder das Leben. 1949 formierte sich wieder eine Gruppe, mit der Idee, den Gesellenverein wieder ins Leben zu rufen. Die Neugeburt – diesmal als Kolpingsfamilie – erfolgte im November 1949. Getrieben vom Wunsch die verlorene Jugend vergessen zu machen, folgte ein reges Vereinsleben. Ausflüge und Theaterspiel sowie viele Veranstaltungen wurden unternommen. Die Kolpingsfamilie öffnete sich und wurde eine Familie in der sich alters- und geschlechterunabhängig alle einbringen konnten.
Ein wichtiger Meilenstein war die Entscheidung zum Bau der Kolpinghütte auf der Heide. Der damalige Bürgermeister Bosch unterstützte den Bau durch die Bereitstellung des Grundstücks auf Erbbaupackt durch die Stadt Oberkochen. Ziel war es den Familien im neuen Baugebiet der Trabantensiedlung Heide, eine Möglichkeit zum Treffen und Austausch zu geben.
Durch den in Eigenleistung erstellten Bau der Hütte haben die Mitglieder eine Heimstätte erhalten, die beispiellos ist. Der Betrieb der Hütte für Gäste, stellt die Mitglieder jedoch vor die Herausforderung an Organisation und Betrieb. Dies erfolgt nunmehr seit 45 Jahren bereits in der 3. Generation der Hüttenwirte.
Die Kolpingsfamilie hat bewegte Jahre ihrer 100 jährigen Geschichte hinter sich. Politische, gesellschaftliche und kulturelle Wandel sind in diesem Zeitraum zu verzeichnen. Was jedoch markant bleibt ist die eigen gestellte Aufgabe sich in Kirche, Staat, Gesellschaft, Beruf und Familie einzubringen. Als regionale Kolpingsfamilie und Mitglied im Internationalen Kolpingwerk werden Hilfen und Unterstützungen in Bildung, sozialen und charitativen Aktionen gebündelt. Die mit 450.000 Mitgliedern weltweit. Die Gemeinschaft hat sich gewandelt und blieb trotzdem dem Motto Adolph Kolpings treu: Die Nöte der Zeit werden euch lehren, was zu tun ist.
Am Samstag, 14.02.2026 feiert die Kolpingsfamilie das Jubiläum. Mit einem Gottesdienst um 18.30 Uhr in der St. Peter und Paul Kirche. Zelebriert durch den Diözesanpräses Walter Humm aus Stuttgart.
Im Anschluss findet ein Empfang in der Kolpinghütte statt.